„Excuse Me?” - Der USA-Fettnäpfchen-Guide

Auf deiner ersten Reise in die Vereinigten Staaten kann es schnell peinlich werden, wenn du die ungeschriebenen Gesetze des amerikanischen Zusammenlebens nicht kennst. Wir erklären dir, wie du typische USA-Fettnäpfchen elegant umgehst.

„Warum gucken denn alle so komisch?” Für so manchen USA-Besucher ist es eine ziemliche Überraschung, wenn er im Kontakt mit Amerikanern das erste Mal so richtig ins Fettnäpfchen tritt.

Die USA wirken auf uns vertraut, aber die ungeschriebenen Regeln des amerikanischen Alltags bleiben uns in Filmen und Büchern oft verborgen. Wenn du also gerade deine erste Reise in die Vereinigten Staaten planst, kann ein Crashkurs in amerikanischer Etiquette wirklich nicht schaden.

Hier sind die 20 häufigsten Fehler von USA-Touristen und ein paar Tipps, wie du garantiert nicht ins Fettnäpfchen trittst:

1. Zu wenig Trinkgeld geben

Im Restaurant oder für andere Serviceleistungen in den USA solltest du ein großzügiges Trinkgeld von mindestens 15% einplanen — optimal sind sogar 20%.

Wer in den Vereinigten Staaten zu wenig Trinkgeld gibt, macht sich keine Freunde. Aufgrund der niedrigen Grundgehälter für bestimmte Berufsgruppen ist das Trinkgeld für Kellner, Taxifahrer, Friseure und andere Servicekräfte in den USA nämlich überlebenswichtig.

2. Den amerikanischen „Flag Code” missachten

Heutzutage wird das mit der Nutzung der „Stars & Stripes” in den USA zwar nicht mehr ganz so streng gesehen, aber mit dem so genannten „Flag Code” solltest du als Ausländer trotzdem nicht zu locker umgehen.

Der „United States Flag Code” legt Regeln für den Umgang mit der Nationalflagge der Vereinigten Staaten von Amerika fest. So soll die Flagge beispielsweise keine Personen oder Sachen bekleiden, niemals den Boden berühren und nie in der Nähe eines Werbeschildes hängen.

3. Auf öffentlichen Plätzen rauchen

Das amerikanische Nichtraucherschutzgesetz wurde ins Leben gerufen, um deine Mitmenschen vor „Second-hand smoke” zu schützen. Jedoch wird es in jedem US-Bundesstaat etwas anders ausgelegt.

An den meisten Stränden und in vielen Parks ist das Rauchen verboten. Sogar auf dem eigenen Balkon kann eine Geldstrafe winken. Sicherheitshalber solltest du in den USA nur auf dafür ausgewiesenen Flächen rauchen. Wenn du dir unsicher bist, dann suche nach einem öffentlichen Aschenbecher oder Frage die Einheimischen.

4. Das metrische System benutzen

Wenn du in einem Gespräch mit einem Amerikaner über Temperaturen, Strecken, Gewichte oder Mengen keine verwirrten Blicke ernten willst, dann informiere dich vorher über den Unterschied zwischen den Maßeinheiten.

Mit Metern, Litern und Kilos kommst du in den USA nicht weit. Das angloamerikanische Maßsystem besteht nämlich aus Pounds, Gallons, Miles, Ounces, Inches, Yards, Quarts und — zum Leidwesen der restlichen Weltbevölkerung — Degree Fahrenheit. Da musst du wohl nochmal die Schulbank drücken.

5. Planlos tanken

Wenn du in den USA an eine Tankstelle fährst, aussteigst und einfach den Zapfhahn in die Hand nimmst, dann wirst du wahrscheinlich verwirrte Blicke ernten. Je nach Tankstelle gibt es nämlich unterschiedliche Abläufe beim Tankvorgang.

Stelle zunächst sicher, dass du nicht an einer „Full Service”-Tankstelle stehst, wo ein Servicemitarbeiter sich um alles kümmert. Danach suche an der Zapfsäule nach dem Schlitz für die Kreditkarte oder gehe direkt zum Schalter: Du musst in den USA nämlich vor dem Tankvorgang bezahlen bzw. zur Sicherheit Geld oder deine Karte hinterlegen.

6. Alkohol trinken in der Öffentlichkeit

Das klassische „Wegbier”, das du vielleicht von Zuhause gewohnt bist, solltest du dir in den USA lieber verkneifen.

Die Alkoholgesetze in den USA sind streng, und an den meisten Orten ist der öffentliche Konsum verboten. Falls du auf das Bierchen im Freien nicht verzichten willst, muss es in einer Tüte stecken. Das sogenannte „Brownbagging” kennst du sicherlich aus dem Fernsehen. Übrigens: Öffentliches Trinken ist in den USA weder cool noch hip, sondern wird eher als primitiv angesehen.

7. Witze an der Grenze

Um die angespannte Stimmung beim Grenzübergang in die USA etwas aufzulockern, behelfen sich viele Touristen ihres mehr oder weniger guten Humors. Dies kann leider kräftig in die Hose gehen.

Der finster dreinblickende Beamte an der Grenze zu den USA ist nicht ohne Grund so ernst: Es ist sein Job, die innere Sicherheit der Vereinigten Staaten von Amerika zu gewährleisten. Wenn du bei der Befragung einen Witz machst, dann erntest du bestenfalls nur ein Augenrollen der umstehenden Reisenden. Im schlimmsten Fall kannst du damit aber deine Einreisegenehmigung riskieren.

8. Tischmanieren im US-Restaurant

In amerikanischen Restaurants gibt es ein paar Regeln, die du kennen solltest, um nicht ins Fettnäpfchen zu treten.

Reserviere vorher einen Platz und bleibe nach deiner Ankunft im Empfangsbereich stehen, bis dir ein Tisch zugeordnet wird. Wenn schließlich ein leckerer Burger vor dir steht, dann fange einfach anfangen zu essen. „Guten Appetit”-Wünschen ist in den USA eher unüblich. Bestenfalls isst du deinen Burger mit den Händen, denn so mancher Amerikaner bezeichnet es als „Gotteslästerung“, Fast Food mit Messer und Gabel zu verzehren. Das musste auch der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio erfahren, als er einmal beim Pizzaessen mit Besteck fotografiert wurde. Das „New York Magazine“ nannte diesen Vorfall ein „Desaster“.

9. WhatsApp-Nachrichten an Amerikaner verschicken

Was in anderen Ländern als Selbstverständlichkeit gilt, ist in den USA längst nicht so verbreitet: Ein eigener WhatsApp-Account. Setze deshalb nicht voraus, dass deine Nachrichten bei neuen Kontakten in den USA auch ankommen.

Der Markt für Handyverträge in den USA ist dominiert von Flatrates für SMS und Telefon-Freiminuten. Datenpakete sind in den Staaten hingegen vergleichsweise teuer, was die Kommunikation über WhatsApp eher unattraktiv macht. Du solltest deshalb auch davon absehen, ungefragt Bilder, Sprachnachrichten oder Videos an deine neuen amerikanischen Freunde zu verschicken.

10. Lange E-Mails schreiben

Vielleicht handelt es sich bei deinem Besuch in den USA um einen kurzen Business-Trip mit einer ESTA-Reisegenehmigung. Dann musst du rund um das Treffen mit deinen Geschäftspartnern sicher ein paar Dinge per E-Mail klären. Hierbei gilt: Fasse dich kurz!

Kaum etwas wirkt auf Amerikaner abschreckender als lange Textwüsten in E-Mails. Diese werden deshalb im Telegrammstil geschrieben. Es mag auf dich unhöflich wirken, spart aber enorm viel Zeit. Achte trotz der Kürze immer auf die korrekte Schreibweise und verwende keine Abkürzungen oder Umgangssprache.

11. Dating-Regeln nicht kennen 

Hast du dich in einen Amerikaner oder eine Amerikanerin verliebt? Herzlichen Glückwunsch! Und: Vorsicht, denn die Dating-Regeln der Amerikaner können ein echter Kulturschock sein. Als erstes solltest du ihn oder sie um ein Date bitten. Das wort „Date” ist hierbei wichtig, denn es ist sozusagen das Codewort für „Es geht hier um mehr als Freundschaft”. Beim ersten Date muss im Vorfeld klar sein, wer die Rechnung bezahlt, sonst herrscht Fettnäpfchen-Alarm! Danach kommt ein zweites Date — hierfür muss einer von euch sich innerhalb von drei Tagen melden. Beim dritten Date ist schließlich klar: Ihr seid jetzt ein Paar und dürft euch küssen!

12. Ohne deine Green Card herumlaufen

Du hast gerade eine Green Card gewonnen? Großartig! Du darfst mit dem US-Einwanderungsvisum ab jetzt unbegrenzt in den USA leben und arbeiten. Aber Vorsicht: Du musst die grüne Karte immer bei dir tragen!

Gemäß Section 264(e) des Immigration and Nationality Act (I.N.A.) kann ein Bußgeld von bis zu 100 USD fällig werden, wenn du ohne deine Green Card erwischt wirst. In Härtefällen können sogar 30 Tage Gefängnis verhängt werden.

Davon abgesehen wirst du sie in deinem Leben in den USA ständig vorzeigen müssen, zum Beispiel beim Eröffnen eines Bankkontos, beim Erwerb des amerikanischen Führerscheins oder bei Bewerbungen in den USA.

13. Überraschungseier in die USA bringen

Die Einreisebestimmungen für die USA halten so manche Überraschung bereit — oder eben auch nicht, denn Überraschungseier sind in den Vereinigten Staaten verboten.

Wenn du keinen Ärger an der Grenze willst, dann lasse die spannenden Süßigkeiten lieber zuhause. Der Grund für das Ü-Ei-Verbot in den USA ist das nicht essbare Spielzeug im Inneren, das nach Annahme der US-Behörden ein Sicherheitsrisiko durch potentielles Verschlucken darstellt.

14. Valentinstag vergessen

Der Valentinstag hat in den USA eine große Bedeutung. Deshalb solltest du nicht nur unbedingt an ihn denken, sondern auch die wichtigsten ungeschriebenen Gesetze zum Fest der Liebenden kennen.

Gefragt ist ein kleiner Valentinsgruß an alle, die du gern hast, sonst ist schnell jemand beleidigt. Freunde, Bekannte, Verwandte, Kollegen und auch Lehrer werden hier mit einbezogen und sollten an diesem Tag einen kleinen Gruß von Herzen bekommen.

15. Jemanden ignorieren

Wenn dich in den USA jemand auf der Straße anspricht, solltest du diese Person keinesfalls ignorieren und einfach weiter gehen.

Das Nichtreagieren auf eine freundliche Ansprache wirkt auf Amerikaner äußerst seltsam. In den USA ist es nämlich völlig normal, dass fremde Menschen in der Öffentlichkeit miteinander ins Gespräch kommen. Keine Sorge: Hinterher geht jeder seines Weges und du musst keinen weiteren Kontakt pflegen.

16. Rechthaberisch sein 

Wenn du in einem Gespräch mit einem Amerikaner denkst, dass dein Gegenüber im Unrecht ist, dann behalte es lieber für dich.

Die energische Widerrede („strong opinion”) oder das Korrigieren deiner Mitmenschen vor Publikum gilt in den USA als sehr unhöflich, wenn nicht sogar übergriffig. Lasse anderen ihre Meinung, ihren Glauben und gern auch ihre Fehleinschätzungen, sonst wirst du schnell zum Außenseiter.

17. Nach dem Labor Day weiße Klamotten tragen

Eine etwas veraltete Regel, die aber immer noch von vielen älteren Amerikanern durchgesetzt wird, ist das Verbot von weißer Kleidung nach dem Labor Day am ersten Montag im September.

Viele Amerikaner halten sich nicht an diese Regel, aber du solltest zumindest darauf vorbereitet sein, falls ein rüstiger Rentner einen Streit vom Zaun bricht, wenn du mit einer weißen Hose herumläufst.

18. “Where is the toilet?”

Ein Satz, der deinen Mitmenschen in den USA ziemlich seltsam vorkommen dürfte ist: „I have to go to the toilet”.

Egal, ob im Restaurant, am Flughafen oder im Privathaushalt: Das pikante Wort „toilet” wird vermieden. Statt dessen heißt es in den USA „restroom” oder „bathroom”. Manchmal hörst du auch „I have to use the facilities”.

19. Unangenehme Gesprächsthemen

Deine politische Gesinnung oder deine Meinung zu Sex, Drogen, Gewalt und Kriminalität solltest du dir für deine eigenen vier Wände aufheben.

Auf heikle und polarisierende Themen reagieren viele Amerikaner im Gespräch sehr empfindlich. Von verwirrten Blicken über unsicheres Kichern bis hin zur Vermeidung deiner Person kann dir hierbei eigentlich alles passieren.

20. Fehler in Polizeikontrollen

Polizisten sind in den USA deutlich härter drauf als in vielen anderen Ländern. Deshalb ist es wichtig, dass du die Verhaltensregeln in Polizeikontrollen kennst.

Steige niemals einfach aus dem Auto aus, wenn eine Streife dich an der Straße anhält. Auch sollten deine Hände am Lenkrad bleiben, der Motor aus und bei Dunkelheit die Innenbeleuchtung eingeschaltet sein. Warte nach dem Anhalten geduldig, bis der Officer ans Autofenster tritt, das du vorher komplett geöffnet hast.

Um Stress mit der Polizei und deinen Mitmenschen zu vermeiden, solltest du dich außerdem unbedingt an alle geltenden Gesetze, Verkehrsregeln und die aktuellen Bestimmungen zur Einreise in die USA halten.

 

Hast du deine Koffer schon gepackt? Dann wünschen wir dir jetzt eine tolle und fettnäpfchenfreie Zeit in den USA!

Zurück