Krankenversicherung in den USA

Anders als in Deutschland gibt es in den USA kein einheitliches staatliches Gesundheitssystem, sondern verschiedene private und staatliche Anbieter. Ein Meilenstein für das amerikanische Gesundheitswesen war die Gesundheitsreform namens Obamacare von 2010, da sie den Zugang zur Krankenversicherung komplett neu regelte.

Der amerikanische Versicherungsmarkt

Die medizinische Versorgung der Amerikaner wird durch mehrere separate Versicherungssysteme gewährleistet und ist in private und staatliche Anbieter aufgeteilt:

  Anbieter # US-Bürger (2017)
privat über den Arbeitgeber 156 Mio.
  individuell über den "Marketplace" (oft Freiberufler und Selbstständige) 21 Mio.
staatlich Medicaid (sozial Schwache) & CHIP (deren Kinder) 65 Mio.
  Medicare (Rentner ab 65 und Behinderte) 43 Mio.
  TricareVeterans Administration (Soldaten und Angehörige) 5 Mio.
unversichert   28 Mio.

Da die Gesundheitskosten in den USA zu den höchsten weltweit gehören, sind auch die Versicherungsprämien sehr teuer. Da sich viele US-Bürger dies nicht leisten können, ist ein Großteil der Bevölkerung gar nicht krankenversichert. Die amerikanische Gesetzgebung garantiert allerdings, dass Krankenhäuser in medizinischen Notfällen jeden unabhängig von der individuellen Zahlungsfähigkeit ärztlich versorgen.

Bild von einem Arztbesuch in den USA

Jedoch werden auch mit Versicherung oft nicht alle Kosten abgedeckt, so dass Amerikaner viele Arztleistungen selbst zahlen bzw. zuzahlen müssen. Von nicht versicherten Amerikanern wird grundsätzlich erwartet, dass sie im Krankheitsfall selbst für ihre medizinische Versorgung aufkommen. Nicht verwunderlich ist daher, dass der häufigste Grund für persönliche Zahlungsunfähigkeit Arztrechnungen nach Krankenhausaufenthalten sind.

Was hat sich durch Obamacare verändert?

Dank der Gesundheitsreform von 2010 konnten sich Millionen zuvor unversicherte Amerikaner eine Krankenversicherung leisten, zum Teil auch durch staatliche Zuschüsse. Das sogenannte Gesetz "Affordable Care Act" beinhaltete u.a. die folgenden Änderungen:

  • Versicherungspflicht für alle US-Bürger
  • kein Ausschluss von Personen mit Vorerkrankungen durch die Krankenkassen
  • Eltern dürfen ihre Kinder bis zum Alter von 26 Jahren mitversichern
  • Strafgebühr in Höhe von 2% des Haushaltseinkommens bei Nicht-Versicherung
  • Einführung der staatlich regulierten Obamacare-Börsen ("Health Insurance Marketplace")

Mit der 2014 erstmalig eingeführten Versicherungspflicht ist der Anteil der Unversicherten deutlich gesunken. Zum Vergleich: 2010 waren noch knapp 47 Millionen US-Bürger ohne Versicherung, 2018 "nur" 28 Millionen. Durch die Reform erhielten sozial Bedürftige einen deutlich besseren Zugang zum System und werden seitdem über einen Risikopool versorgt. 

Wer nicht über seinen Arbeitgeber oder eines der staatlichen Programme versichert ist, kann den Versicherungsschutz nun online über das zentrale Web-Portal der Regierung (Marketplace) zu festgelegten Anmeldezeiten erwerben. Die neuen Versicherungspolicen müssen zudem bestimmte Mindestleistungen als Grundsicherung abdecken.

Bild zu Obamacare Caduceus

Reformpläne von Präsident Trump

Obwohl der steigende Versicherungsschutz durch den "Affordable Care Act" deutlich nachweisbar war, arbeitet die Regierung Trumps an einer Alternative zu Obamacare und möchte die Reform am liebsten rückgängig machen. Dafür wird jedoch die Zustimmung des Kongresses benötigt.

Mit einem neuen Steuergesetz Ende 2017 wurden zunächst die Strafzahlungen für Nicht-Versicherte wieder abgeschafft, wodurch auch der Zwang zur Krankenversicherung entfällt. Diese Regelung greift ab 2019. Welche weiteren Schritte unternommen werden und wie ein Gegenentwurf zu Obamacare aussehen wird, bleibt aktuell noch abzuwarten.

Welche Arten von Versicherungen gibt es?

Die Mehrheit der US-Bürger ist über ihren Arbeitgeber krankenversichert. Da dieser auch Vertragspartner des Versicherungsschutzes ist, endet bei Verlust des Arbeitsplatzes in der Regel auch die Versicherung. Häufig werden Gruppenkrankenversicherungen für das ganze Unternehmen abgeschlossen, wobei sich Arbeitgeber und -nehmer ähnlich wie in Deutschland die Kosten teilen. Letztere müssen oft für die in Anspruch genommenen Leistungen zuzahlen oder sich zusätzlich privat versichern. 

Wird der Versicherungsschutz direkt über den Marketplace erworben, gibt es abhängig von der eigenen Wohnregion verschiedene Versicherungsarten, die auf unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten sind. Beim Kauf einer Krankenversicherung kann in der Regel zwischen den folgenden drei Typen gewählt werden:

  1. Traditionelle "fee-for-service" Krankenversicherung: in der Regel die teuerste Wahl, bietet aber die größte Flexibilität bei der Wahl der Leistungserbringer (freie Arztwahl)
  2. Health Maintenance Organizations (HMO): Netzwerk, das eigene Ärzte als Vertragspartner beschäftigt; Mitglieder zahlen monatlichen Fixbetrag und können nur Ärzte des Netzwerks aufsuchen
  3. Preferred Provider Organizations (PPO): Netzwerk aus Ärzten und Krankenhäusern; Mitglieder können bei Selbstbeteiligung an den Kosten auch zu Ärzten außerhalb des Netzwerks gehen

Auswandern in die USA: Welche Krankenversicherung ist die richtige?

Die Wahl einer geeigneten Krankenversicherung ist ein wichtiger Punkt für alle, die sich in den USA niederlassen wollen. Für die erste Zeit in den USA kann zunächst eine langfristige Auslandsreisekrankenversicherung abgeschlossen werden, damit vor Ort alle amerikanischen Versicherungsoptionen in Ruhe geprüft werden können.

Bild zum Gesundheitssytem in den USA

Wer nicht über ein Angestelltenverhältnis in den USA versichert ist, kann den Versicherungsschutz individuell auf dem Marketplace kaufen. Dort sollten die verschiedenen Policen genau verglichen werden, da sie aus unterschiedlichen Paketen bestehen und oft z.B. keine zahnärztlichen Leistungen einschließen. In der Regel kann zwischen vier Tarifen (Bronze, Silver, Gold und Platinum) gewählt werden.

Beim Vergleich der Versicherungsbedingungen sollte vor allem auf folgende Punkte geachtet werden:

  • Habe ich das Recht, meinen Arzt, das Krankenhaus oder die Apotheke frei zu wählen?
  • Ist die Behandlung bei Fachärzten (wie Augen- und Zahnärzte) mitversichert?
  • Deckt die Versicherung besondere Behandlungen wie Schwangerschaft, Physiotherapie oder eine psychiatrische Versorgung?
  • Sind die häusliche Krankenpflege oder Pflegeheimkosten Bestandteil des Schutzes?
  • Deckt die Versicherung alle Medikamente ab, die mir Ärzte eventuell verschreiben?
  • Wie hoch sind die Selbstbehalte und Zuzahlungen? 
  • Was ist der Höchstbetrag, den ich selbst zahlen muss, um die Kosten zu decken?
  • Bin ich auch bei einem vorübergehenden oder längerfristigen Aufenthalt im Heimatland versichert?

Beibehaltung einer privaten deutschen Krankenversicherung 

Personen, die in Deutschland gesetzlich versichert waren, verlieren mit dem Verlassen des europäischen Sozialversicherungssystems automatisch ihren Versicherungsschutz. Es kann jedoch eine Anwartschaftsversicherung bei der deutschen Krankenkasse weitergeführt werden, so dass die Mitgliedschaft vorübergehend ruht und bei einer Rückkehr nach Deutschland zu den alten Bedingungen wieder aufgenommen werden kann. 

Viele Gründe sprechen auch für den Abschluss einer privaten deutschen Krankenversicherung, da das deutsche Versicherungsrecht im Vergleich zu den USA einige deutlich bessere Bedingungen bietet. Versicherte einer deutschen privaten Krankenversicherung in den USA unterliegen weiterhin dem deutschen Versicherungsvertragsgesetz, das für sämtliche Anbieter und Gesellschaften in Deutschland maßgebend ist.

Auslandsreiseversicherung für den Besuch aus Deutschland

Wer als Tourist in die USA reist oder Angehörige aus Deutschland zu Besuch in der neuen Heimat hat, kann bei Krankheit auch kurzfristig einen Arzt oder in Notfällen den Emergency Room aufsuchen. Es ist äußerst ratsam, vor der Reise eine private Auslandsreiseversicherung für die USA abzuschließen, da ein Krankheitsfall sonst extrem teuer werden kann.

Bild vom Arzt in den USA

Alle Behandlungskosten müssen in der Regel vor Ort bezahlt werden und werden im Nachhinein von der Reiseversicherung erstattet. Sie sollten sich deshalb immer eine detaillierte Quittung mitgeben lassen, die alle Kosten und Therapiemaßnahmen sowie Diagnosecodes auflistet. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte seine Reiseversicherung im Voraus zu eventuellen Besonderheiten kontaktieren.

Bei anderen vorübergehenden, aber langfristigen Aufenthalten von einem Jahr und länger (z.B. Au Pairs), sollte unbedingt ein ausreichender Auslandskrankenschutz vorhanden sein. Dafür können spezielle Reiseversicherungen für Aufenthalte bis zu 5 Jahren abgeschlossen werden.

Im Folgenden finden Sie einige Links zu verschiedenen Auslandskrankenversicherungen:

Hansemerkur - die Reiseversicherung AG:
Hier können Sie sich verschiedene Versicherungsprämien für unterschiedliche Reisearten (und -dauern) ausrechnen lassen und anschließend ganz einfach buchen.

Hansemerkur - Auslandskrankenversicherung bis zu 365 Tage
Beantragen Sie Ihren Versicherungsschutz für Aufenthalte bis zu 365 Tagen.

Hansemerkur - Auslandskrankenversicherung bis zu 5 Jahren
Hier können Sie eine Auslandskrankenversicherung mit einer Gültigkeit bis zu 5 Jahren abschließen.