Auswanderer Werner Bösel: Ich bin angekommen!

Die Vereinigten Staaten von Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, zieht Jahr für Jahr Scharen von Besuchern an. Die unberührte Natur von Alaska, aufregende Metropolen wie New York oder Los Angeles, der Sunshine State Florida oder auch die traditionsreichen Südstaaten mit Blues und "vom Winde verweht"-Charakter sind nur einige Highlights, die das Land zu bieten hat.

Weitaus größer ist jedoch die Zahl der Menschen, die Amerika als Ziel ihrer Auswandererträume gewählt haben. Viele kommen hierher mit der Hoffnung, den amerikanischen Traum zu leben und vom Tellerwäscher zum Millionär zu werden. Doch das Auswandern in die Vereinigten Staaten ist kein leichtes Unterfangen.

Das weiß auch Werner Bösel. Er ist Mitte fünfzig und hat sich in Deutschland über viele Jahre ein gut gehendes Taxiunternehmen aufgebaut. Schon als kleiner Junge war er ein Fan der Vereinigten Staaten und lebte seinen amerikanischen Traum fernab der USA in Deutschland. Neben zahlreichen Partys und Veranstaltungen rund um das Thema USA zog sich das amerikanische Flair auch durch sein Taxiunternehmen. Bis heute ist er der einzige Taxiunternehmer seiner Region, dessen Autos den typischen Charakter der New Yorker Taxis haben. Darüber hinaus baute sich Werner Bösel auch seine eigene Ranch.

Seinen Traum, einmal in die USA zu fliegen, konnte er jedoch erst viele Jahre später mit seiner Ehefrau verwirklichen. Die Reise durch Florida und Texas wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis, so dass Familie Bösel beschloss, ganz in die USA auszuwandern.

Wie steinig der Traum für ein Leben in Texas tatsächlich war, kann jeder, der mehr über die Lebensgeschichte von Werner Bösel erfahren möchte, hier im ersten Teil des Interviews nachlesen. Doch meist kommt es anders, als man denkt. Seit mittlerweile fünf Jahren lebt Werner Bösel nun schon seinen texanischen Traum.

Wir wollten deshalb von ihm wissen, wie es ihm ergangen ist. Was er alles erlebt hat, erzählt er uns hier gleich selbst in seiner aufregenden Geschichte!


„Es kommt immer anders als geplant“, diese Weisheit konnte ich für meinen Traum in Texas wörtlich nehmen. 

Im August 2012 hatte ich endlich nach 3 Jahren Suche einen Käufer für mein Taxiunternehmen in Deutschland gefunden. Es gab da nur einen kleinen Haken: leider lag nicht so viel Kapital vor wie erwartet. Der Käufer kam zwar aus Deutschland, hatte aber viele Jahre in Japan gelebt, sodass in Deutschland über ihn nichts mehr existierte, um eine gute Finanzierung zu bekommen. Um den Verkauf doch noch gut über die Bühne zu bringen, wurde ein Owner Finanzierungsplan erarbeitet, bei dem ich das fehlende Kapital in 36 Monatsraten bekommen sollte. Einzige Voraussetzung dafür war, dass ich das Taxiunternehmen als Angestellter weiterhin leite. Das war die einzige Möglichkeit, um an mein Ziel zu kommen.

In der Zwischenzeit investierte ich auch weiter in mein Projekt, die Boesel Ranch Inc. Die Firma war bereits gegründet worden und so kam es, dass wir auch in den nächsten Jahren in den Ferien immer wieder nach Texas flogen, um alles weiter aufzubauen. 2013 starteten wir dann auch mit dem Bau unseres Restaurants auf der Ranch. Mit der Unterstützung von Freunden und Nachbarn haben wir oftmals von früh morgens bis tief in die Nacht gearbeitet, um es zügig fertig zu bekommen.

Da ich zu jener Zeit bereits viel Kapital in Sachen USA investiert hatte, beschloss ich, den E2 Visa Antrag beim Konsulat zu stellen und hatte dann auch im März 2013 einen Termin. Der Konsul prüfte alles, und es war auch alles bestens. Einziger Knackpunkt: das ich das Restaurant erst in ca. 2.5 Jahren eröffnen konnte, war für mich nicht akzeptabel. Er machte dann einen Kompromiss und erteilte mir das B1/B2 Visa. Mit diesem könnte ich dann jederzeit in die USA ein- und auch wieder ausreisen. Nach 2 Jahren wäre damit auch der Statuswechsel zum E2 Visum nur noch eine reine Formalität. Darüber hinaus hatten wir auch Global Entry beantragt, um künftig keine Wartezeiten mehr bei der Einreise in die USA zu haben. 

Ohne Frau nach Texas...

Die Arbeiten an der Ranch und im Restaurant kamen super voran. Doch beim Texas-Besuch in den Weihnachtsferien 2014 kam der Schock für mich. Meine damalige Frau teilte mir mit, dass sie den allerletzten Schritt, endgültig nach Texas auszuwandern, nicht machen wird. Ich war am Boden zerstört und wollte alles hinschmeißen. Sie reiste dann vorzeitig am nächsten Tag wieder nach Deutschland und ich flog am 3. Januar 2015 zurück.

Zurück in Deutschland war es für mich unmöglich, weiter für das Taxiunternehmen zu arbeiten und ich einigte mich mit dem neuen Inhaber auf sofortige Restzahlung und eine Abfindung. Ich zog von zu Hause aus und widmete mich wieder meinem USA Projekt. Der zweite Termin beim Konsulat dauerte nur 3 Minuten und bereits 1 Woche später hatte ich meinen Pass mit den Visa in der Post. Im Februar buchte ich einen erneuten Flug nach Texas, verstaute meine persönliche Habe in sechs Kartons und schickte diese mit der DHL voraus...

Die ersten Tage auf der Ranch waren nicht einfach. Ich überlegte, ob ich alles verkaufen oder weiter machen sollte - und entschied mich für letzteres und machte weiter. Anfangs ging die Arbeit auch nur schleppend voran und vor allem im Restaurant gab es mit der Einrichtung und dem Equipment für die Küche noch viel zu tun. Mein Ziel: Ich wollte bis zur Eröffnung im Juli 2015 fertig werden!

Eine neue Liebe bahnt sich an

Auch auf der privaten Seite kündigte sich Veränderung an. Als ich im Dezember 2014 noch einige Tage alleine in Texas war, riet mir jemand, mal auf die Partnersuchseite "Farmer Only" zu gehen. So geschah es dann auch, dass ich mir ein Profil anlegte - war ja erstmal kostenlos. Mit der Zeit kamen dann auch einige Nachrichten, die ich jedoch erst lesen konnte, als ich wieder in den USA war und die nun fällig werdende Gebühr bezahlen konnte.

Einige Zeit später fiel mir ein besonderes Profil bei der Suche ins Auge. Ich hatte aber in dem Moment keine Zeit, eine Nachricht zu hinterlassen, denn ich musste einige Sachen im Supermarkt besorgen. Und es mag fast unfassbar klingen, aber dort lief mir tatsächlich die Frau über den Weg, deren Profil ich bisher nur von der Partnerseite kannte! Ich hatte versucht, sie im Supermarkt wieder zu finden, aber leider erfolglos. Auf der Ranch angekommen, schrieb ich ihr sogleich eine Nachricht. Sie antwortete wenig später und wir schrieben uns einige Tage und telefonierten miteinander.

Am 22. März 2015 hatte ich dann mein erstes Date mit Christine. Wir unterhielten uns mit Händen und Füssen, mein English war zu jenem Zeitpunkt noch miserabel. Bei einem gemeinsamen Kaffee nahm sie meine Hand und hat sie seitdem nicht mehr losgelassen. Nach ein paar Wochen zog sie bei mir ein und kündigte dann ihren Job, um mich beim Restaurant zu unterstützen. Ihre Familie hat mich herzlich aufgenommen, und nach meiner Scheidung im Oktober 2015 heiratete ich Christine.

Das Restaurant

Im Juli 2015 eröffneten wir unser Restaurant. Die Gäste waren begeistert. Anfangs hätte ich noch einen deutschen Koch, der ging aber alsbald wieder zurück nach Deutschland. An den Wochenenden lief das Restaurant sehr gut, doch unter der Woche war es ein wenig schleppend, aber es war ok und wir hatten unser Auskommen. Im Dezember 2015 kam die Stadtverwaltung von Sulphur Springs auf mich zu und machte mir das Angebot, das Restaurant in die Stadt zu verlegen. Man würde für alle Kosten aufkommen und es gebe eine geeignete Location. Im Januar 2016 haben wir zugesagt und Mitte Februar konnten wir das Restaurant auf der Ranch schließen und am 1. März bereits unsere Restaurants in der Stadt eröffnen.

Unser Leben heute

Zwei Jahre lang lief alles super. Doch Ende Februar 2017 teilte mir meine Familie mit, dass sie im Juni 2017 wieder zurück nach Deutschland geht. Mein befristetes E2 Visum ist im Februar 2017 abgelaufen. Eigentlich wollte ich es verlängern, doch auf Bitten meiner Frau habe ich dies nicht getan. Ihr Wunsch war es, eine GreenCard zu beantragen. Dafür wurde alles eingereicht und inzwischen habe ich meine Arbeitserlaubnis und warte noch auf den Interviewtermin.

Mit der Entscheidung, dass die Familie wieder zurückgeht, haben auch wir eine Entscheidung getroffen. Die Ranch ist neben dem Restaurant einfach zu viel Arbeit. Wir haben deshalb alle unsere Pferde, das ganze Equipment und die Grundstücke verkauft. Darüber hinaus haben wir auch beschlossen, das Restaurant zu verkaufen und es in einer Unternehmensbörse in Deutschland angeboten. Wir wollen damit einem Gastro Ehepaar die Chance geben, hier in den USA mit einem E2 Visum zu leben. Wir werden natürlich die ersten Monate volle Unterstützung bieten, wir lassen keinen ins kalte Wasser springen. Das Restaurant hat die besten Bewertungen in der Stadt und gehört auch zu den besten deutschen Restaurants in ganz Texas, wie man auf verschiedenen Portalen nachlesen kann. Um hier zu Essen haben viele Gäste auch mal 2 Stunden und mehr Anfahrt in Kauf genommen.

Wie wird es nach dem Verkauf weitergehen? Diese Frage haben wir uns schon häufiger gestellt - und sind zum Schluss gekommen, dass wir einfach mal schauen, was das Leben uns bieten wird. Erstmal gönnen wir uns aber eine Auszeit von 6 Monaten. Seit 2009, als ich das erste Haus gekauft habe, war dauernd so viel los, so dass wir es heute schätzen, in einem gemütlichem Block Haus am See zu leben und das Leben zu genießen.

Aber ich kann jetzt für mich sagen, dass ich den amerikanischen Traum lebe! Der Weg ist das Ziel, auch wenn er steinig war mit vielen Rückschlägen, aber ich bin angekommen!


Wer mehr zur spannenden Geschichte von Werner Bösel erfahren möchte, der kann sich den Beitrag in der Auswanderer Serie "Goodbye Deutschland" hier ansehen.

 

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