Speeddating im Selbstversuch - die ganze Wahrheit, und nichts als diese

Habe mir das Ausgangsprogramm angeschaut, an einem Freitagabend hat New York einiges zu bieten. Ich habe mich für ein Erlebnis der besonderen Art entschieden: Speeddating in New York City. Aus rein wissenschaftlichen Gründen natürlich, haha.

In der Mausefalle

Ernsthaft, ich als Schweizer allein in New York bin neugierig auf die Menschen hier, und als Immigrant erscheint mir Networking als wichtiger Faktor, um hier Fuß zu fassen. Außerdem hatte ich Lust, dieses Konzept live zu erleben, und wenn sich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden lässt ...

Um 18 Uhr lief ich los, Richtung Broadway, wo das Spektakel stattfinden soll. Nachdem ich gemerkt hatte dass Broadway und West Broadway zwei verschiedene Straßen sind, kam ich auch ganz pünktlich im Cupping Room an. Dort war die halbe Bar schon von Männern belagert, die wie von der Katze belauerte Mäuse ausschauten. Das kann ja heiter werden, die weiblichen Wesen ließen sich auf jeden Fall noch nicht blicken, resp. waren gerade äußerst ausgiebig mit ihren Blackberrys und iPhones beschäftigt. Ich war mir nicht mehr sicher, ob das eine gute Idee gewesen war, hierher zu kommen ...

Der Typ neben mir an der Bar gönnte sich etwas Starkes, ich fragte ihn, ob er auch am Event teilnehme. Heute nicht, aber er hätte das Mal gemacht – mit mäßigem Erfolg. Nun bimmelte die Glocke und die Truppe trottete wie ein Haufen Lämmer auf dem Weg zur Schlachtbank davon.

Einfache Regeln, komplexe Strategien

Die Regeln des Speeddating: die Damen setzen sich an einen Tisch, die Herren wechseln alle 5 Minuten beim Schellen der Glocke den Platz – schätzungsweise 15 "Dates" gab es an diesem Abend. Jede(r) notiert sich seine Top 3 Favoriten auf einer Karte, und wenn es einen Match gibt werden die Kontaktdaten durch den Veranstalter am nächsten Tag per E-Mail versandt. Darauf basierend kann dann richtig gedatet werden.

Das Geschlechterverhältnis war recht ausgeglichen, die Teilnehmenden hatten sich herausgeputzt und sahen attraktiv aus, alle zwischen 20 und 30 Jahre alt. Nun gilt es also ernst. Die meisten waren noch etwas verkrampft und steif zu Beginn. Doch dann wurde die Runde rasch lockerer, und es machte Spass, in ein paar Minuten ein anregendes Gespräch zu entwickeln und die eigene Menschenkenntnis auf den Prüfstand zu stellen.

Schnatter, schnatter

Die Girls kamen übrigens ALLESAMT in Gruppen an den Event. In der Pause waren sie eifrig am Tuscheln und damit beschäftigt, ihren Freundinnen die neusten News am Telefon durchzugeben. Lustig. Je länger das Spiel dauerte, desto mehr Gefallen fanden alle daran. Die Ladies sahen das als einmaliges „Experience“ an, und auch die Jungs waren locker und hatten begriffen, dass man mehr Spass hat, wenn man das nicht als Konkurrenzkampf angeht, sondern einfach als „Having a good time“ ansieht - was es de facto auch war.

Als der Spass gegen 10 Uhr offiziell zu Ende ging, hatte bereits eine Liveband begonnen aufzuspielen. Ruby, Beagy, Matt und ich blieben noch bis lange nach Mitternacht sitzen und diskutierten über Gott und die Welt, wie man das am Freitagabend mit seinen Leuten zu tun pflegt. Ein paar Tage darauf erhielt ich dann die Kontaktdaten meiner „Matches“ per E-Mail zugestellt, doch dazu ein andermal mehr ;-).

Zurück