Interview mit Greencard Gewinner Andreas: „Wir mussten uns dagegen entscheiden…“

Vor ein paar Monaten kam ein kurzes „Hallo!“ über die Chatfunktion auf meinem Blog rein. Dahinter steckte Andreas aus der Nähe meiner Heimatstadt Bern in der Schweiz. Der Glückliche hatte gerade die Nachricht erhalten, dass er eine Greencard gewonnen hat und sich nun im Web informiert, was als Nächstes kommt.

Er hat mir ein paar Fragen dazu gestellt, und ich habe ihn gebeten mich auf dem Laufenden zu halten, wie es weiter geht. Nun ist die Katze aus dem Sack, weshalb ich ihn für ein Interview angefragt habe.

Reto: Andi, Du hast eine Greencard gewonnen – doch willst diese nun nicht nutzen. Was ist passiert?

Andreas: Nun, nachdem der erste Schock und die grenzenlose Freude über die gewonnene Greencard abgeflacht war, kamen die kritischen Gedanken. Was wollen wir denn dort? Wohin sollen wir ziehen? Wieder von Grund auf neu anfangen? Was passiert mit unseren Verwandten und Freunden? …

Reto: Habt ihr Euch darum entschieden, die Greencard nicht anzunehmen? Was ist Dir durch den Kopf gegangen, als der Traum vom Leben in den USA platzte?

Andreas: Die Steuerbelastung in den USA ist für mich als Teilhaber einer Firma sehr hoch. Das ist der eigentliche Hauptgrund, warum wir aktuell auf die Greencard verzichten müssen - wir haben noch knapp 1 Jahr Zeit zu entscheiden, ob wir sie trotzdem beanspruchen wollen.

Nach mehreren Gesprächen mit USA-CH Steuerexperten mussten wir aber erkennen, dass wir starke Mehrbelastungen für die Firma hätten. Die Führungsweise der Buchhaltung und des Reportings müssten auf amerikanische Standards angepasst werden (Sarbanes-Oxley Act). Dies wäre eine bedeutende finanzielle Mehrbelastung für mich und die Firma.

Es war eine sehr schwierige Entscheidung. Wir haben uns dafür Zeit gelassen und unsere Unterlagen auch zuerst nach Kentucky zur Prüfung gesandt und uns dann erst vor dem Interview auf der Botschaft definitiv dagegen entschieden.

Reto: Du hast Dich ernsthaft mit einem Leben außerhalb der Schweiz auseinandergesetzt, wie hat Dein Umfeld darauf reagiert?

Andreas: Meist mit Unverständnis. Es gab relativ wenig Personen in unserem Umfeld die gesagt haben: "Toll, wann zieht Ihr endlich weg?" War natürlich einerseits gut für uns, andererseits hat es uns in der Realisierung eines Traumes nicht wirklich unterstützt.

Reto: Wolltest Du schon immer in den USA leben und arbeiten, oder ist die Teilnahme an der Greencard Lotterie mehr aus einer Laune heraus entstanden?

Andreas: Es ist seit mindestens 25 Jahren mein Traum! Nachdem ich die ersten Male in die Vereinigten Staaten geflogen bin, war für mich die USA eine Art Heimat. Es ist schwierig zu beschreiben, jede Berichterstattung in den Medien über die USA erweckt eine Art Heimatgefühle. Ich glaube, die Leute die auswandern möchten, werden mich verstehen.

Reto: Was denkst Du ist anders beim Leben und Arbeiten in den USA, verglichen mit der Schweiz?

Andreas: Keine Ahnung! Nein Spass beiseite. Mir ist klar, dass ein Leben in den USA auch ein Neuanfang mit viel Schweiß und Tränen wäre. Ich lebe nicht in der Illusion, dass die USA auf uns gewartet haben.

Aber vielleicht ist es auch mein Schicksal, später in die USA auszuwandern? Um dort Fuß zu fassen, müsste ich sicherlich auch mehr Arbeiten als hier, zumindest am Anfang. Ich habe mich relativ ausgiebig mit diesem Thema Auswandern befasst und habe eine Vorstellung davon, wie man in den Vereinigten Staaten das Leben bestreiten muss und welche Auflagen zu erfüllen sind.

Reto: Macht ihr schon bald wieder Ferien in Amerika, vielleicht sogar mit einem Zwischenhalt in New York?

Andreas: Klar, die Flüge sind gebucht, leider etwas südlicher als New York. Wir fliegen nach Atlanta und machen von dort aus eine Rundreise. Aber verlass Dich drauf, ich freue mich Dich bei nächster Gelegenheit auf ein gemeinsames Bier irgendwo im Big Apple zu treffen!

Reto: Andreas, danke für dieses offene Interview – schätze ich sehr!

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