Interview mit Familie Bösel: „Texas! Ein Traum auf Zeit?“

Hallo Werner, stelle Dich am besten zunächst kurz vor.

Ich heiße Werner Bösel, bin 54 Jahre alt und komme aus Berlin. Vor 17 Jahren zog es mich wegen meines Kurschattens ins Ammerland. Dort jobbte ich einige Zeit als Aushilfstaxifahrer und entschied mich nach kurzer Zeit, das Taxiunternehmen zu kaufen. Mit 500,- DM und einem guten Konzept fing ich an. Die anderen Taxiunternehmen in der Umgebung gaben mir nur ein halbes Jahr. Aber da hatten sie die Rechnung nicht mit mir gemacht!

Mein Motto heißt: Anderes machen, als Andere!

Ich liebe amerikanische Fahrzeuge und lebte dieses auch in meinem Taxiunternehmen aus. So konnte man bei mir die verschiedensten Fahrzeuge, wie: Stretchlimo, Caddilllac, Monstertruck, Hummer  H2 Taxi  mit Flügeltüren, einen Pick Up und noch vieles mehr buchen.

Genaueres könnt ihr in unserem 1. Buch lesen: „Texas! Ein Traum auf Zeit?“ Erhältlich bei Amazon oder bei Books on Demand.

 

Bei Bösels gab es immer was Neues! Und da ich dieses elfenbein-farbige Taxi nicht besonders schön fand, ließ ich alle meine Taxen im Checkerdesign folieren und besorgte mir das Patent darauf.

Tja, das ist jetzt 11 Jahre her. Mein Taxiunternehmen ist weit über die Grenzen des Ammerlandes bekannt und wir sind auf 14 Fahrzeuge gewachsen. Vor sieben Jahren lernte ich meine jetzige Ehefrau Liane kennen. Wir waren von Anfang an ein Herz und eine Seele. Liane ist 41 Jahre alt und hat zwei Kinder: Michaela, 17 Jahre und Marcel, 14 Jahre alt. Im Mai 2006 gaben wir uns das „Ja“ Wort. Von Anfang an waren wir unzertrennlich und erfuhren immer mehr Gemeinsamkeiten. Wir teilten uns die Arbeit im Taxiunternehmen und eröffneten zusätzlich noch eine Werkstatt. So arbeiten wir seit unserem Kennenlernen 24 Stunden am Tag zusammen.

 

Wie ist der Entschluss gereift, in die USA zu gehen? Was waren die Gründe, was war der Auslöser?

Seit meiner Kindheit bin ich Amerika Fan. Mit 3 Jahren bekam ich meinen ersten Cowboy Anzug und wollte ihn gar nicht mehr ablegen. Leider schaffte ich es nie, in die USA zu reisen, deswegen versuchte ich meinen Traum Stückweise in Deutschland zu leben. Ich kaufte mir die verschiedensten Amischlitten, veranstaltete Amitreffen, Konzerte im amerikanischen Stil, Paraden, eine amerikanische Woche und baute mir 2004 meine kleine Ranch im Holzdesign.

Meine damaligen Frauen, die ich bis 2005 hatte, teilten leider meine Leidenschaft nicht, doch dann trat Liane in mein Leben und alles wurde anders! Sie bewegt mich, über meinen eigenen Schatten zu springen und so flogen wir im Oktober 2008 das erste Mal in die USA. Die erste Woche fuhren wir in Florida von einem Ort zum nächsten und für die zweite Woche war Texas eingeplant. Florida war zwar ganz schön, doch um dort zu leben war es nicht der richtige Fleck. Dann angekommen in Texas stand für uns vom ersten Moment fest: das könnte es sein! Wir fuhren tausende von Meilen und fühlten uns immer wohler. Seit dieser Zeit arbeiten wir daran, unseren Traum zu verwirklichen und unser 2. Leben in Texas aufzubauen.

 

Hattest Du vorher schon Erfahrungen mit den USA sammeln können?

Wie schon gesagt, konnte ich leider vorher noch keine Erfahrungen mit Amerika machen. Aber nicht nur meine damaligen Partnerinnen waren daran schuld. In Berlin war ich selbstständig mit einer Baufirma. Meine Firma lief sehr gut und so gönnte ich mir einen dreiwöchigen Urlaub. Ich schenkte meinen Angestellten vollstes Vertrauen, leider nutzten sie dieses schamlos aus! Nach meiner Rückkehr konnte ich Konkurs anmelden und war froh, glimpflich dabei weggekommen zu sein. Einige Zeit später wurde ich sehr krank! Ich hatte im kontaminierten Bereich gearbeitet und mein Körper war völlig vergiftet. Die Ärzte gaben mir nicht mehr lange zu leben, doch meine Willensstärke ließ mich die Krankheit überstehen! Ich hatte viele Tiefschläge in meinem Leben, doch meinen Traum verlor ich nie ganz aus den Augen.

 

Wie reagiert Dein Umfeld in Deutschland auf diese Idee?

Nun ja, dazu muss ich sagen, dass ich viele Neider in Deutschland habe. Aber: „Neid“ muss man sich hart erarbeiten!

Zudem gibt es bei uns auf dem Lande bestimmt einige, die mich nicht akzeptieren, weil ich nicht in das sogenannte „Schema“ passe. Ich bin halt außergewöhnlich und bestimmt auch ein bisschen verrückt! Ich war schon immer anders , als Andere und ich lasse mich auch nicht verbiegen! Viele stempeln mich als „Spinner“ ab und machen sich Gedanken darum, wie ich mir all diese Sachen alles leisten kann, statt vor ihrer eigenen Tür zu kehren.

Aber es gibt auch andere, die unseren Mut bewundern, hier in Deutschland unsere sichere Existenz aufzugeben und ins Ungewisse zu starten. Sie finden es toll, dass wir unseren Traum leben wollen und fiebern schon seit 3 Jahren mit uns.

 

Wie war für Dich die erste Zeit in den USA, wo waren die Probleme, was lief gut?

In den letzten 3 Jahren haben wir viele Hürden gemeistert.

Die erste Schwierigkeit war unser Hauskauf und die Finanzierung in Amerika. Mit einer Agentur in Florida konnten wir dieses Problem meistern. Mittlerweile haben wir das 2. Haus gekauft und die Finanzierung eigenständig gemeistert.

Unser gebrechliches Schulenglisch stand uns nur ganz selten im Weg. Wir sind offen und freundlich auf die Amerikaner zu gegangen und schnell konnten wir unseren Bekanntenkreis erweitern. Als „Dankeschön“ organisierten wir BBQs auf unserer Ranch, schickten laufend E-Mails und Weihnachtspost und halten den Kontakt über Facebook. So konnten wir auch gleich die Werbetrommel rühren, denn wir möchten außerhalb unseres kleinen Ortes ein deutsches Restaurant und eine Ferienanlage eröffnen. Durch unsere Offenheit sind wir in unserem Ort sehr bekannt und alle erinnern sich auch nach Monaten noch an uns. Leider können wir nur 3 Mal im Jahr (insgesamt 8 Wochen) rüber fliegen, in denen es viel zu tun gibt. Trotz der kurzen Zeit haben wir schon viel erreicht, wie z.B.: Kauf mehrerer Fahrzeuge ( mein Fuhrpark umfasst mittlerweile 10 Oldtimer und 10 Antike Trecker), KFZ Versicherung (ich zahle nicht mehr, als ein  Amerikaner), Gerichtsverhandlung, Verträge für unseren Visaantrag, Sponsor in Texas für deutsches Bier kontaktiert, Großhändler abgeklappert, Konto eröffnet, Mitorganisation zur Übernahme unserer Privat Road durch den County und Herrichten lassen der Privat Road nach den Vorgaben des Countys, Tax Return u.v.m.

 

Hast Du die Greencard oder bist Du schon amerikanischer Staatsbürger?

Nein, wir haben leider keine Greencard! Wir gehen mit einem Investorenvisum in die USA, sofern alles klappt! D.h.: wir lassen zur Zeit unseren Businessplan von einer Steuerberaterin in Florida erstellen, die mit unserer Rechtsanwältin wegen unseres Visums zusammen arbeitet. Die Investitionssumme, die bei dem Businessplan raus kommt, müssen wir auf ein Konto in den USA hinterlegen und haben dann die Möglichkeit beim Konsulat in Frankfurt vor zu sprechen. Spätestens 2 Jahre nach unserer Einreise wird geprüft, ob wir das Geld investiert haben und nach insgesamt 5 Jahren sollte das Geschäft gute Gewinne erzielen. Der Staat prüft dieses ausgiebig und sollte es nicht genügend Geld für den Staat einbringen, haben wir 4 Wochen Zeit um unsre Koffer zu packen und wieder zurück nach Deutschland zu reisen.

 

Was hat Dir besonders geholfen, Dich einzuleben?

Ganz besonders geholfen haben uns die Amerikaner durch ihre nette, freundliche und hilfsbereite Art. Sie haben uns alle sehr unterstützt und hilfreich beiseite gestanden. Durch unsere offene und ehrliche Art haben sie uns schätzen gelernt und auch schnell begriffen, dass wir uns dort wirklich integrieren möchten und uns freuen würden, wenn wir etwas für die Wirtschaftsförderung des Ortes beisteuern könnten. Wir wollen nicht nur das schöne Wetter und die Vorteile von Amerika ausnutzen, sondern auch alle Nachteile in Kauf nehmen.

Aber auch einige Deutsche, die wir übers Internet kennengelernt haben, standen uns hilfsbereit zur Seite. Durch Besuche und Gespräche mit ihnen haben sie unser Vorhaben nach Amerika zu gehen gestärkt.

 

Hast Du bestimmte Vorstellungen für das kommende Jahr? Möchtest Du vielleicht noch einmal wegziehen?

Unsere Vorstellungen für das kommende Jahr sehen so aus:

 

    1. Aufbau des Restaurants

 

    1. Kauf eines Travel Trailers für das deutsche Ehepaar (sie haben wir durch ein Stellenangebot, welches ich ins Internet gesetzt habe, kennengelernt; er ist Koch und Metzger und beide werden uns im Restaurant unterstützen)

 

    1. Eröffnung unseres Restaurants „Horsebarn German Restaurant“

 

    1. Die ersten Gäste für unser Ferienhaus, welches wir von Grund auf saniert haben

 

    1. und zu einer Ranch gehört natürlich auch ein Streichelzoo für die Kleinen

 


Wir haben uns ganz fest vorgenommen, etwas deutsche Mentalität mit nach Amerika zu bringen. Die „Amis“ haben nicht das sogenannte „Sitzfleisch“. Wir möchten diese Gemütlichkeit dort einführen und sind auch schon bei unseren Bekannten erfolgreich gewesen.

 

Gibt es weitere Dinge, die Dir wichtig sind und die Du erwähnen möchtest?

Ja! Wir möchten allen, die gerne auswandern möchten, ans Herz legen: Geht nicht blauäugig in eure Zukunft! Es ist nicht einfach auszuwandern. Hier in Deutschland sind alle abgesichert, doch in Amerika müsst ihr für euer Essen arbeiten gehen! Dort gibt es nichts geschenkt, man muss härter arbeiten, als in Deutschland und die anderen Länder warten nicht mit offenen Armen auf uns. Bevor man in ein anderes Land geht sollte man sich ausgiebig erkundigen und sich halbwegs verständigen können. Auch sollte man bereit sein, sich zu integrieren. Nur die Vorteile der anderen Länder zu nutzen bringt nichts, denn man wird nicht in die Gemeinschaft aufgenommen und wird sich nie zu Hause fühlen.

Zu guter Letzt möchte ich noch hinzufügen:

Für viele wird sich meine Geschichte vielleicht nach Konny Reimann anhören. Einige werden wahrscheinlich sagen: „Der versucht doch nur den Reimann nach zu machen!“ Tja, sorry! Aber das ist in keiner Weise so! Ich habe anfangs versucht, meine kleine Westernstadt in Deutschland aufzubauen, doch keine Chance. Meine Idee mit dem Restaurant und den Ferienhäusern stand schon bevor Konny damit angefangen ist. Wobei ich auch sagen muss, dass Konny und ich viele Gemeinsamkeiten haben. Aber die Familie Reimann hatte den Vorteil, dass Manu die Greencard gewonnen hat. Wir gehen den schwereren Weg mit einem E2 Investoren Visum und sind aber aufgrund unserer Vorbereitungen von unserem Erfolg überzeugt.

 

Vielen Dank für das Interview, Werner!

 

 

    • In der Kabel Eins Mediathek gibt es einen Beitrag über die Familie mit dem Titel „ Der Trick mit dem Gold“

 

    • Reportage auf ZDFneo am 26.September 2012 „ German Angst “

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